Ein Sonnenstrahl zum Spatenstich

Mit dem Bau eines Wohnhauses für ehemals wohnungslose Menschen entsteht ein Leuchtturmprojekt im Freiburger Westen. Beim feierlichen Spatenstich am 26. März 2026 kamen Mitwirkende aus dem Caritasverband Freiburg-Stadt e. V., dem Orden der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul und der römisch-katholischen Kirchengemeinde Freiburg in der Pfarrkirche St. Petrus Canisius in Landwasser zusammen. Die gemeinsame Realisierung des Projektes steht somit auch für die erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit von drei kirchlichen Partnern.

Aprilwetter im März! Petrus war nicht sparsam mit seinen Gaben, als am 26. März mit einem feierlichen Spatenstich der Auftakt zum Bau eines Wohnhauses für 33 dann ehemals wohnungslose Menschen begangen wurde. Regen, Wind und Hagel tobten, während die Anwesenden noch im Trockenen den Redebeiträgen lauschten. Nach dem Segensspruch vor dem eigentlichen Spatenstich folgte dann strahlender Sonnenschein.

Rund 90 Personen hatten sich in der Pfarrkirche St. Petrus Canisius in Landwasser versammelt. Ihre für die 1970er Jahre typische Betonbauweise im Stil der Brutalismus-Architektur kontrastiert im Innenraum mit künstlerisch gestalteten Fensterelementen aus Schmelzglas und Chromnickelstahl und schafft so eine einzigartige Atmosphäre. Einen musikalischen Auftakt lieferten Mike Schweizer (Sopransaxofon) und Tobias Nussbaumer (Gitarre) mit Jazzklängen.

Ein Gemeinschaftswerk zur Unterstützung wohnungsloser Menschen

Als erster Redner begrüßte Rainer Gantert, Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes Freiburg-Stadt e. V. die Gäste. Insbesondere dankte er den Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, die durch ihre Großzügigkeit und Weitsicht dieses Projekt erst ermöglicht haben. Ebenso wichtig sei der Beitrag der Römisch-katholischen Kirchengemeinde Freiburg, auf deren Grund und Boden das neue Wohnhaus entstehen wird. „Mit Orden, Kirchengemeinde und Caritasverband kommen verschiedene Teile der Kirche zusammen, um gemeinsam etwas gegen die Wohnungslosigkeit zu tun“, erklärte Gantert. Eine großzügige finanzielle Zuwendung kam zudem von der verstorbenen Ilse Kolankowski, die mit ihrem Vermächtnis den Bau unterstützt und in deren Namen nun eine Stiftung gegründet wird.

Auch aus Politik und Verwaltung der Stadt Freiburg und aus der Landespolitik begrüßte der Vorstandsvorsitzende viele Personen namentlich und dankte für ihre Beiträge: „Die Arbeit für wohnungslose Menschen ist in Freiburg ein Gemeinschaftswerk.“ Ebenso würdigte Rainer Gantert das Engagement des Caritasaufsichtsrates, der Abteilungs- und Einrichtungsleitungen und der Architekten. Zudem betonte er die Bedeutung von Stiftungen für die erfolgreiche Umsetzung von Projekten: „Sie werden immer wichtiger, weil Sie unabhängig von kurzfristigen Entscheidungen sind. Vielen Dank für die gute Kooperation und Ihr Engagement.“

Tatkräftige Nächstenliebe in einer kälter werdenden Welt

Oberbürgermeister Martin Horn betonte in seinem Grußwort die Bedeutung gelebter christlicher Nächstenliebe sowie die erfolgreiche Zusammenarbeit verschiedener Organisationen bei vielen Projekten in Landwasser. Vom neuen Einkaufszentrum, über ein Wohnheim für Auszubildende, neue Stadtbauwohnungen und die Neugestaltung des Platzes der Begegnung bis hin zum Neubau von Schule und Turnhalle waren viele Finanzierungen durch die Zusammenarbeit von Stadt, Verbänden, Vereinen und Stiftungen geprägt, so Martin Horn.

„Es ist genau das Richtige, Wohnungslosen hier ein neues Zuhause zu geben“, bekräftigte der Oberbürgermeister. „In einer kälter werdenden Welt gilt es, dazustehen und sich für tatkräftige Nächstenliebe einzusetzen.“

Inspiriert vom vinzentinischen Geist

Im Anschluss erläuterte Schwester Gertrudis Ruf, Generaloberin des Ordens der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, Geschichte und Anliegen der Vinzentinerinnen. Vinzenz von Paul lebte von 1581 bis 1660 in Frankreich, gründete 1633 mit Louise von Marillac die „Filles de la Charité“, die Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe. Diese widmeten sich den Kranken, Notleidenden und Bedürftigen und kauften unter anderem 13 Häuser, um dort Findelkinder zu beherbergen. 2017 gründete sich inspiriert vom vinzentinischen Geist die FamVin Homeless Alliance (FHA), um weltweit das Leben tausender obdachloser Menschen nachhaltig verbessern. Im Rahmen der 13-Häuser-Kampagne wurden bereits mehr als 100 Projekte in 68 Ländern realisiert. In Landwasser entsteht nun das erste Bauprojekt in Deutschland.

„Wir freuen uns sehr, dass wir der großen Wohnungsnot entgegentreten können“, sagte Schwester Gertrudis. „Wir wünschen ein gutes Gelingen, damit Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf haben, sondern im Zusammenleben mit anderen ein Zuhause finden.“

Öffnung zum Quartier – Möglichkeiten zum Rückzug

Nach einem musikalischen Zwischenspiel präsentierten Frank Barrois, Vorstand des Caritasverbandes Freiburg-Stadt e. V., und Projektleiter Prof. Dr. Heinzpeter Schmieg das künftige Gebäude. Ziel ist es, die dann ehemals wohnungslosen Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses zu stärken und so dauerhaft aus der Wohnungslosigkeit herauszuholen. „Im Erdgeschoss haben wir Räume für Begegnung und Beratung“, erläuterte Frank Barrois. „Diese sind als stabilisierendes Element wichtig für die Hausgemeinschaft, aber es sind auch Räumlichkeiten, die für die Allgemeinheit geöffnet sind: Es ist ein offenes Haus.“ Gleichzeitig gibt es genug Möglichkeiten, sich zurückzuziehen.

Der Neubau entsteht an genau der gleichen Stelle, an der zuvor das bereits abgerissene Gemeindehaus stand. Er öffnet sich zum Platz der Begegnung und ist eingerahmt von Kindergarten, Gemeindezentrum und Kirche. „Wichtig war uns die Normalität des Wohnens“, erklärte Projektleiter Schmieg. „Es ist ein ganz normales Wohnangebot, wie für andere Mieterinnen und Mieter auf dem ersten Wohnungsmarkt auch. Gemeinsam mit den Abteilungen haben wir ein Raum- und Funktionskonzept erarbeitet.“ So wird der traditionelle Mittagstisch der Kirchengemeinde dort weitergeführt, es gibt Räume für die Sozialarbeit und Bereiche des großen Foyers lassen sich für flexible Nutzungen abteilen.

In den oberen drei Etagen sind insgesamt 33 Apartments mit jeweils 35 Quadratmetern Wohnfläche und einem kleinen Balkon angesiedelt. Projektleiter Schmieg hat persönlich in der Caritaseinrichtung Pflasterstub’ hospitiert, um die Bedürfnisse der wohnungslosen Menschen zu erspüren. So wurde ihm beispielsweise berichtet, dass Einzelne eine eigene Wohnung zunächst toll fanden, sich dann aber einsam und unwohl fühlten nach vielen Jahren auf der Straße. „Wir wollen den Menschen die Möglichkeit bieten, das Wohnen wieder zu lernen.“

Wie in allen neuen Wohneinrichtungen des Caritasverbandes Freiburg-Stadt e. V. sind auch in Landwasser acht Zimmer in einer Wohngemeinschaft für Auszubildende und Menschen, die einen Freiwilligendienst leisten, reserviert. Mit der Fertigstellung und Einweihung des Gebäudes wird in rund zwei Jahren gerechnet. Zum Abschluss der Präsentation übergab Oberbürgermeister Horn den „Roten Punkt“ für die Baufreigabe.

Die Selbstverständlichkeit der Nächstenliebe

Pfarrer Siegfried Huber von der Römisch-katholischen Kirchengemeinde Freiburg bezog sich in seinen Segensworten auf die vier wesentlichen Grundaufgaben der Kirche: die Verkündigung (Martyria), die Liturgie (Liturgia), den Dienst am Nächsten (Diakonia) und die Gemeinschaft (Koinonia). „Dieses Projekt in Landwasser bringt diese vier Punkte im besten Sinne zusammen“, sagte Pfarrer Huber. „Die Pfarrgemeinde zeigt Flagge für die Menschen, die sich nicht aus eigener Kraft helfen können. Wer sieht, dass Kirche sich für ein solches Projekt stark macht, wird sehen, was für ein starker Glaube dahintersteht.“

Dann zitierte er das Gleichnis vom endzeitlichen Gericht aus dem Matthäusevangelium: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Die Gerechten im Gleichnis seien überrascht gewesen, was sie denn so Besonderes getan hätten. „Wir haben doch einfach Menschen geholfen, weil es uns selbstverständlich war“, erklärte Pfarrer Huber die Handlungen der Gerechten. „Und genau das ist eine Selbstverständlichkeit der Nächstenliebe, die sich im Handeln wiederfindet.“

Nach einem gemeinsamen Lied „Komm, Herr, segne uns“ folgte das Gebet und die Bitte um Segen für den Bau des neuen Wohnhauses, für die Menschen, die dort leben werden, für die Kirchengemeinde und für die Menschen in Landwasser. Und tatsächlich kam mit der Bitte um Segen die Sonne heraus und die Versammelten konnten trocken hinaus zum Spatenstich gehen.

Vor der Baugrube, wo einst das Gemeindehaus gestanden hatte, steckten schon 25 Spaten im obligatorischen Sandhaufen. So konnten sämtliche Personen, die an der Planung und Realisierung des Projektes mitgewirkt hatten, auch tatkräftig in Aktion treten. Dem Gelingen steht nun nichts mehr im Wege.

 

Freiburg, 27.03.2026

Text:
Karin Jehle, Freie Redakteurin
Fotos:
Jannie Schweizer, Verbandskommunikation

jannie.schweizer@caritas-freiburg.de