
Vor 35 Jahren war der erste Spatenstich bei den römischen Ausgrabungen in Heitersheim. Seit 25 Jahren gibt es das Römermuseum Villa urbana und seit 15 Jahren das Inklusions-Café Villa artis. Grund zum Feiern bei Jubiläumswetter.
Heitersheim. Als Gastgeber hatten die Stadt Heitersheim und der Caritasverband Freiburg Stadt einen handverlesenen Kreis derer in die Villa urbana eingeladen, die maßgeblich zur Entstehung dieses außergewöhnlichen Lern- und Erlebnisortes beigetragen hatten. Bürgermeister Christoph Zachow begrüßte, während Caritas-Vorstand Rainer Gantert Heitersheim als den Ort mit den meisten Dienstleistungen und Einrichtungen außerhalb Freiburgs benannte. 270 Hauptamtliche und viele Ehrenamtliche bauen hier auf dem Fundament sozialer Traditionen auf, lobte er, weil Menschen mit Ideen und Kreativität Verantwortung übernahmen und Leuchtturmprojekte wie die Villa artis für Menschen mit Behinderung umsetzten.
Der ehemalige Bürgermeister Jürgen Ehret spannte in seiner Festrede dankbar den Bogen einer bewegten Zeit. Als das Fürstentum Heitersheim 1806 an das Großherzogtum Baden fiel, wurde erstmals „merkwürdiges Gestein“ ähnlich wie in Badenweiler entdeckt. Doch „die zu ängstliche Kostenscheu einiger Herren der Verwaltung hemmte die weitere Untersuchung“, so die Dokumentation. Bei der 1200 Jahrfeier 1977 gründete sich ein Förderkreis zur Erhaltung historischer Bauten und Denkmale unter dem Vorsitz von Fritz Fünfgeld. Hartnäckig forderte der, den Römerspuren auf den Grund zu gehen. Doch Ehret hatte bei Amtsantritt 1979 andere Sorgen. Es gab Schulden durch den Schwimmbadbau, und wichtige städtische Infrastruktur wie Rathaus und Feuerwehr lagen im Argen.
Als 1989 eine Luftaufnahme ergab, dass es sich auf dem „Scherbenacker“ um ein in Baden-Württemberg einmaligen palastartigen römischen Landsitz handelt, war das Landesdenkmalamt dennoch der Meinung, das Areal als archäologisches Reservat für künftige Forschung zu erhalten und nicht durch Grabungen zu zerstören. Außerdem gab es kein Geld. Doch Ehret kämpfte weiter, versprach eine Finanzierung durch die Stadt und erhielt grünes Licht. Professor Hans Ulrich Nuber, Leiter der Provinzialrömischen Archäologie der Universität Freiburg, brauchte zur Erforschung eine Grabungsleitung. Das Wissenschaftsministerium genehmigte die Stelle. Der Gemeinderat stimmte zu. 1991 war erster Spatenstich. Unterstützer, Spenden und Zuschüsse sorgten für eine Erfolgsgeschichte.
Die nächste Hürde war der Schutzhausbau. Durch glückliche Fügungen und kreative Aktionen kamen auch dafür Genehmigung und Mittel zusammen. Die Stadt wurde 1998 per Vertrag Außenstelle der Universität Freiburg und das Museum 2001 eröffnet. Die Bewerbung für das EU-Leuchtturmprojekt EULE machte schließlich den Bau der Villa artis als Rekonstruktion eines römischen Speichers möglich. Die Stadt wurde zur Modellgemeinde für Inklusion und der Caritasverband übernahm 2011 den Betrieb. Ehret ging in den Ruhestand, aber die Erforschung lief weiter. Doch kurz darauf kündigte sein Amtsnachfolger Martin Löffler ohne Gemeindesratsbeschluss per Fax den Vertrag mit der Universität. „Das Forschungsprojekt wurde umgehend eingestellt. Ein großer Schaden für Heitersheim“, bedauerte Ehret. „Doch unsere Geburtstagskinder unter der Leitung von Juliane Güth und Nora Esposito entwickeln sich prächtig und haben eine gute Zukunft“, schloss er versöhnlich.
Als Zeitzeugin dankte die langjährige Grabungsleiterin Gabriele Seitz, auch im Gedenken an Professor Nuber, dass mit der Villa urbana und der Villa artis ein Kulturangebot und eine genussvolle inklusive Begegnungsstätte geschaffen werden konnten. „Rund 400 Ausgräberinnen und Ausgräber erfuhren dadurch in Heitersheim einen wichtigen Eintrag in ihren beruflichen Lebenslauf“, stellte sie fest. Bürgermeister Zachow und Rainer Gantert nahm sie in die Pflicht, diese einzigartige Heitersheimer Historie „vom Scherbenacker in die Geschichtsbücher“ engagiert fortzuschreiben.
Die Villa artis hatte von der Franz-Köberle-Stiftung zum Geburtstag eine Klimaanlage und eine Outdoor-Bar bekommen, wo nach dem Festakt bei bestem Wetter, Musik und kreativen Mitmach-Angeboten Feieratmosphäre herrschte. Für alle Besucher waren kühle Getränke und leckere Häppchen frei.
Heitersheim, 27.7.2026
Redaktion:
Sabine Model, Freie Journalistin
Fotos:
Raphael Pietsch, @raphael_pietsch






























