„Gemeinsam Handeln“: Fachtag bringt Fachkräfte aus Freiburg zusammen

Freiburg. Bis auf den letzten Platz besetzt war das Bürgerhaus Zähringen, als die Dompfarrer-Erich-Wittner-Caritasstiftung gemeinsam mit dem Caritasverband Freiburg-Stadt e. V. Ende Oktober, zwei Jahre nach dem Tod ihres Namensgebers zum Fachtag „Gemeinsam Handeln – Psychosoziale Belastungen bei Kindern und Jugendlichen in Freiburg“ einlud.

Über die große Resonanz freute sich Susanne Kern, Vorständin der Dompfarrer-Erich-Wittner-Stiftung. Gleichzeitig zeige sie jedoch auch, wie groß die Not und die psychischen Belastungen vieler Kinder und Jugendlicher seien, so Kern in ihrem Grußwort. Unter den zahlreichen Gästen begrüßte sie Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher schulischer und außerschulischer Fach- und Arbeitsbereiche sowie die Amtsleiterinnen der Stadt Freiburg, Vanessa Völkel und Silke Donnermeyer.

In ihrem Grußwort berichtete Susanne Kern von Kindern und Jugendlichen, die unter seelischen Nöten leiden und infolge von Gewalterfahrungen Verhaltensweisen zeigen, die nicht nur ihre Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer vor große Herausforderungen stellen.

Angesichts zunehmender psychischer Belastungen von Kindern und Jugendlichen geraten Fachkräfte selbst an ihre Grenzen und erleben, dass Kinder und Jugendliche, die besonders viel Halt und Unterstützung brauchen, durch bestehende Strukturen nicht aufgefangen werden können, so Kern.

Ziel des Fachtages sei es, unterschiedliche Perspektiven der Kinder- und Jugendhilfe zusammenzubringen, sich auszutauschen und zu vernetzen, um zu verstehen, welche psychosozialen Belastungen Kinder und Jugendliche erleben und wie Fachkräfte, Einrichtungen, Dienste und Institutionen gemeinsam wirksame Unterstützung ermöglichen können, hob Susanne Kern in ihrer Ansprache an die Gäste hervor. Dies sei im Sinne des Stiftungsgründers Dompfarrer Erich Wittner. „Dem langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden des Caritasverbandes war es ein Anliegen, Familien, Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenslagen zu unterstützen. Insbesondere junge Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen, geistigen oder seelischen Entwicklung auf Unterstützung angewiesen sind, standen für ihn im Mittelpunkt. Ihm war es stets wichtig, Menschen zusammenzubringen und Netzwerke zu schaffen“, machte Kern deutlich.

Dass es den ganzheitlichen Blick auf Kinder und Jugendliche brauche, bestätigte auch Silke Donnermeyer, Leiterin des Amtes für Schule und Bildung, in ihrer Rede. „Als Kommune tragen wir die Verantwortung für die Rahmenbedingungen, den sozialen Ort Schule zu gestalten“, betonte sie und warb für eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteurinnen und Akteure, um Kinder und Jugendliche wirksam zu unterstützen.

Sören Friedrich, Leiter der Ambulanz für Kinder und Jugendliche am Psychotherapiezentrum der Uni Freiburg, hielt den zentralen Fachvortrag und blickte aus wissenschaftlicher Perspektive auf das Thema. Er zitierte Studien, die die psychische Gesundheit junger Menschen weltweit als eine Krise beschreiben und darauf hinweisen, dass sie sich in vielen Ländern während der vergangenen Jahrzehnte verschlechtert habe und psychische Störungen zugenommen hätten. Globale Krisen wie der Klimawandel, die Corona-Krise, Kriege und Konflikte belasten Kinder und Jugendliche in der vulnerablen und sensiblen Lebensphase der Pubertät. Durch die Nutzung sozialer Medien seien sie den multiplen globalen Krisen dauerhaft ausgesetzt. Aber auch Fragen wie, wie wird meine Zukunft aussehen, werde ich einen sicheren Job bekommen, werde ich meinen Bildungsabschluss schaffen und natürlich auch ganz persönliche Themen wie soziale Beziehungen mit meinen Freundinnen und Freunden belasten junge Menschen.

Die Belastungen bewegen sich auf einem hohen Niveau, gleichzeitig reichen die Versorgungsstrukturen nicht aus. Die Auswirkungen psychischer Krisen bei Kindern und Jugendlichen betreffen letztlich die gesamte Gesellschaft“, so Sören Friedrich in seinem Vortrag.

Nach der Pause stand der Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Diensten des Caritasverbandes und dem Roten Kreuz darunter PUSch – Psychosoziale Unterstützung für Kinder und Jugendliche an Freiburger Schulen, die Frühförderstelle PRISMA und das Refugium, dem Psychosozialen Zentrum für Menschen mit Fluchterfahrung, berichteten von ihren beruflichen Erfahrungen. Moderatorin Lena Hummel bezog das Publikum stets in die Veranstaltung ein und ermutigte die Gäste, sich in den folgenden Workshops zu vernetzen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Denn eine gelungene Zusammenarbeit und das Wissen voneinander sind die Grundlage dafür, Kinder und Jugendliche in herausfordernden Lebenssituationen erfolgreich zu unterstützen.

Damit setzte der Fachtag ein Zeichen für das, was Dompfarrer Erich Wittner stets wichtig war: Menschen zusammenzubringen, gemeinsam Verantwortung zu tragen und Perspektiven für junge Menschen zu schaffen.

Freiburg, 28.10.2026

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